Montag, 30. Juli 2012

Bavaria und der Lorax

In Deutschland geht man derzeit durchschnittlich 1,6 mal jährlich ins Kino.
Mir wäre das viel zu selten, und da ich häufiger im Kino sitze, gebe ich auch hin und wieder meinen veganen Senf zu Filmen ab oder informiere über Zutaten von Nachos und Popcorn.

Heute habe ich mir "Bavaria - Traumreise durch Bayern" angesehen.
Der Film bietet einige gelungene Aufnahmen schöner Orte in Bayern, vor allem die Tagesaufnahmen aus der Luft sind sehenswert. Aufnahmen aus dem Inneren von Schloss Neuschwanstein sind aufgrund der unprofessionellen Belichtung allerdings viel zu dunkel geworden und weisen deshalb ein starkes körniges Rauschen auf.
Klatscht man sich bei jeder unsinnigen Darstellung von Religion und Tieren an die Stirn, dehnt sich dieses Rauschen über den gesamten Film aus.
Nicht ohne Stolz wird im Film zum Beispiel von der "Bratwurstkultur" verschiedener Regionen berichtet, und obwohl tolle Aufnahmen traditioneller Volkstänze im Kommentar treffend mit den Paarungsritualen von Hühnern verglichen werden, heißt es schon wenig später:
"Wussten sie übrigens, dass ein Drittel aller deutschen Rindviecher in Bayern leben? So dumm scheinen die also garnicht zu sein - sie wissen halt, wo's schön ist."
Dadurch, dass dieser Spruch schon als Scherz konzipiert ist, wirkt er auf mich besonderns hämisch, da wohl auch dem Autor klar war: Die meisten dieser 1,24 Millionen Tiere haben nicht wirklich ein idyllisches Leben und würden sich dieses auch niemals aussuchen.

Natürlich gehören die Religion und ihre Kirchen zum Gesamtbild von Bayern; Aufnahmen von Betenden, Pilgernden und Altaren gab es für meinen Geschmack aber etwas zu oft.
Gegen Ende des Films fahren Männer in Lederhosen und Frauen in Fuchspelzen mit Kutschen auf einen Berg, um ihre Pferde zu segnen - na dann halleluja.

Als Münchner und gebürtiger Bayer distanziere ich mich von diesem Bild eines Bundeslandes, in dem der Schwachsinn weiterhin als Tradition installiert bleiben soll.

Wer derzeit an einem regnerischen Abend ins Kino gehen möchte, dem empfehle ich statt dieser Dokumentation den Film "Der Lorax".
Dem netten und schrägen Animationsfilm liegt ein schnulziger aber schöner Ökoappell zugrunde, vor allem der Soundtrack ist für so eine Standardproduktion sehr gut gelungen. Das Fantasietier Lorax ist außerdem sogar in der deutschen Synchronfassung von Danny DeVito selbst vertont, was absolut sympatisch klingt. Das schwierigste Wort für ihn war übrigens "ich".

Kommentare:

  1. "Deinen veganen Senf" zu Filmen. Das finde ich cool. :)
    Seit ich mich für Veganismus interessiere sind mir auch echt viele Dinge aufgefallen, sei es in der Werbung oder auch im geläufigen Sprachgebrauch wo Tiere oder eben Redewendungen mit Tieren (manchmal auch ziemlich makabere) vorkommen... (Natürlich fällt mir jetzt gerade kein konkretes Beispiel ein.)
    Dass mir das vorher nie aufgefallen ist verwundert mich jetzt. "Der Lorax" tönt unterhaltsam, werd das mal vorschlagen...

    viele Grüsse

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  2. Wirklich eine Schweinerei, was diese dummen Affen sich erlauben. Solche hundsgemeinen Spatzenhirne!
    Aber eigentlich doch auch total wurscht...

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  3. Ich habe dir einen Award verliehen :)

    http://ceridwen1977.blogspot.de/

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    1. Mein erster Award!
      Ich grüße meine Mama und alle die mich kennen :)

      Glückwunsch auch zu Deinem Award, der zur Nennung von fünf weiteren Blogs geführt hat.

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  4. Ich weiß nicht wies dir geht, ich hab ja in verschiedenen Teilen Bayerns gewohnt und ich hab diesen Traditionalismus nie bewusst als fest integrierten oder notwendigen kulturellen Bestandteil erlebt. Umso mehr verwirrt es mich, wenn Bayern nach außen noch immer als Land der Dirndl- und Leserhosenträger(innen) promotet wird (ich hab ja beides nicht).

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    1. Ich habe auch beides nicht :-)
      Finde toll, dass Du kein Dirndl hast!
      Auch wenn die vielleicht vegan sind, rufen sie ja dazu auf, das sich ein Kerl die passende Lederhosn dazu überzieht. Veganer, raus aus den Klamotten! :)
      Aber es gibt noch ein Foto von mir, da stehe ich mit drei Jahren in Lederhose und Filzhut vor frei grasenden Kühen.
      Gestern war ich mit Freunden im Kloster Andechs und habe mir einen großen Salat, zwei Scheiben Melone und Studentenfutter mitgenommen. Meine Freunde mussten natürlich Schweinshaxen essen, wie sich das in Bayern gehört! Nach der Hälfte wurde schon gejammert, wie viel das doch sei, außerdem so viele reine Fettklumpen, und nach dem Essen war ich der einzige, der sich nicht nach eigenen Angaben im "Foodkoma" befand.

      Aber in mancher Hinsicht bin ich auch froh, in Bayern zu wohnen. Bestimmt kriegt man nirgends so leicht hochwertiges veganes Brot und Bier.

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    2. jaja, in Bayern gehört ein richtiger Schweinebraten eben mit zum Kulturprogamm :/ dabei hat Andechs echt mal mehr zu bieten, als sich maßlos vollzustopfen.
      Ich hab nix gegen Bayern, ich bin hier aufgewachsen und ich lebe echt gerne hier, aber irgendwie weitab von dem als Mainstream verkauften Bajuwarentum und auch das mehr als gern.

      Mit dem Bier und dem Brot hast du aber wirklich recht, auch wenn es manche Zeitgenossen gibt die auf behaupten, das bayerische Bier wäre nicht herb genug. ;)

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