Samstag, 18. Februar 2012

Was in diesem Blog passiert

Ich heiße Ruben, bin 28 Jahre alt und seit 14 Jahren Vegetarier.
Seit wenigen Monaten ernähre ich mich vegan, und die Umstellung lässt mich die Gesellschaft mit anderen Augen sehen.
Ich erlebe beim Einkaufen oder zu anderen sozialen Ereignissen oft Merkwürdiges, das sowohl zum Nachdenken, als auch zum Schmunzeln einlädt.
Ich habe bisher nur meine Ernährung umgestellt, und besitze nach wie vor Produkte aus Leder, Knochenleim etc.
Diese Dinge möchte ich in nächster Zeit loswerden und durch solche ersetzen, die ich mit meinem Gewissen vereinbaren kann. Dabei weiß ich noch nicht einmal, wie ich die alten Gegenstände entsorgen soll. Alles wegschmeißen? Spenden?
Neben meinen täglichen Erlebnissen und Briefwechseln mit Unternehmen möchte ich hier deshalb auch meine Fortschritte in solchen moralischen Fragen veröffentlichen.
Viel Spaß beim Lesen! Ich freue mich über Kommentare und respektvolle Kritik.

Und siehe da: Mein erster Leser hat mich dazu bewegt, diesen Blog noch in seinen ersten Stunden von spin.de nach blogger.com zu bewegen.
Hier können alle Leser direkt antworten und einige Vorteile mehr.
Danke für den Hinweis!

Kommentare:

  1. Hey Ruben,

    ich bin gerade über Facebook auf Deinen Blog gekommen und finde das Thema ziemlich interessant. Ich bin zwar selbst kein Vegetarier, kann aber durchaus nachvollziehen, was einen zum Fleischverzicht bewegen kann. Dass die Fleischindustrie in Deutschland eine abstoßende Sache ist, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Und dass jemand gegen das Töten von Tieren ist, finde ich auch nachvollziehbar. Aber warum Veganismus? Der Tiere wegen? Was schadet es einer Kuh, wenn sie gemolken wird? Vorausgesetzt, sie wird respekvoll behandelt und führt ein sogenanntes "artgerechtes" Leben, so kann ich kein Problem erkennen. Du schreibst, die Milch sei nur Ernährung der eigenen Nachkommen bestimmt. Aber wer bestimmt denn, wer was wie nutzen soll? Ist die Kartoffel zum frittieren bestimmt? Oder der Weizen dazu, gemahlen und zu Brot verarbeitet zu werden? Also: warum vegan?

    Viele Grüße,
    Benni M.

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  3. Hallo Benni!

    Danke für Deinen Kommentar und Dein generelles Interesse am Thema.

    Ich hatte bis vor sehr kurzer Zeit noch genau Deine Position zum Thema, auch wenn ich schon Vegetarier war.
    Ein wehrloses Tier, das wie ich sehen, hören, fühlen, schmecken, spielen, sich langweilen, Geschlechtsverkehr haben und wütend sein kann... das war für mich schon lange ausgeschlossen.
    Aber warum nicht deren zugegebenermaßen leckere Milch trinken oder ihre Eier in Kuchen und Kekse verrühren?
    Diese wichtige Frage werde ich erst einmal nur mit ein paar Punkten beantworten; zu vieles spricht dagegen, als dass ich alles aufführen könnte:
    Du sprichst von einem Idealfall, in dem ein Tier "artgerecht" gehalten wird. Wenn Du nur Tierprodukte zu Dir nehmen möchtest, die so produziert wurden, musst Du Dich fast ausschließlich vegan ernähren, kannst nicht bei Fastfoodketten essen, Käse von Aldi aufs Brot legen, im Freibad ein Magnum essen oder in der Nacht Pommes mit Majo essen.
    Kühe werden im "Normalfall" nicht respektvoll behandelt, da Respekt nichts mit unserem Verhältnis zu ihnen zu tun hat. Kühe galten noch bis vor kurzem als Gegenstände, bis heftiger Protest diese Formulierung im Recht geändert hat. Nun sind Kühe zwar keine Gegenstände mehr, aber rechtlich als solche zu behandeln. Das ändert nichts, aber es erkennt theoretisch die Tatsache an, dass eine Kuh etwas anderes als ein Fahrrad ist. Kühe werden mit langen Metallrohren von Menschen vergewaltigt und künstlich befruchtet, damit sie schwanger werden und Milch produzieren. Diese Milch ist für das eigene Baby vorgesehen; trinken willst sie aber lieber Du. Das Neugeborene wird der Mutter weggenommen, und vielleicht bestellt es auch schon bald jemand im Restaurant, denn viele Leute möchten nicht nur eine Kuh essen, sie wollen das Baby auf dem Teller und verlangen Kalbsfleisch.
    Der Körper der Mutter produziert durch Hormonspritzen trotzdem weiter Milch und lässt ihre Brüste schmerzhaft und unnatürlich anschwellen. Das Sekret Milch wird etwa dreimal täglich von Melkmaschinen abgepumpt, die innere und äußere Verletzungen an den Nippeln verursachen. Der Eiter der Wunden wird natürlich mit eingesaugt, deshalb wird die Milch später pasteurisiert. Das Erhitzen tötet die gefährlichen Keime zwar ab; trotzdem möchte ich so etwas nicht in meinen Frühstücksflocken.
    Die Kuh muss nun so viel Milch wie möglich produzieren (logisch), und darf erst sterben, wenn der Körper nach einigen Jahren (Kühe können eigentlich 18-25 Jahre alt werden) so ausgelaugt von der Prozedur ist, dass die Milchproduktion nachlässt und ein Mensch ihr ins Gehirn schießt, was sie meist nicht komplett tötet. Dann wird sie an einem Bein aufgehängt (Bein bricht natürlich) und der lebendigen Kuh wird die Kehle aufgeschlitzt, ihre vielen Liter Blut fließen über den anonymen Boden des Schlachthauses, bis sie endlich sterben darf. Viele Aktivisten sagen, dass sie Milch und Eier sogar für das grausamere Produkt im Vergleich zu Fleisch halten, weil Masttiere ein sicheres Exekutionsdatum haben. Milchkühe, Legehennen - sie müssen so lange ihr erbärmliches Leben fristen, bis sie vor Erschöpfung tot umfallen (bei Hennen).

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  4. Darauf, ob Kuhmilch für Kühe "bestimmt" ist und nicht für Menschen, möchte ich nicht ausgiebig eingehen, da es doch einfach zu offensichtlich ist.
    Eine Kartoffel ist nicht zum Frittieren "bestimmt". Aber die Milch einer Spezies wird stets durch ein schwangeres Weibchen produziert, das diese im jungen Alter an den Nachwuchs weitergibt. Kuhmilch für Kühe, Giraffenmilch für Giraffen, Walmilch für Wale und Menschenmilch für Menschen.

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  5. Nun gut, das was Du schilderst sind die Bedingungen in der industriellen Massentierhaltung. Keinen schöne Sache, da gebe ich Dir recht. Aber es gibt doch auch andere Verhältnisse, ich war beispielsweise in Russland auf dem Dorf bei den Großeltern meiner Freundin zu Besuch. Dort haben viele Leute ein, zwei Kühe. Diese laufen tatsächlich frei herum und werden von Hand gemolken. Ich denke nicht, dass die Leute sich dort Hormonspritzen leisten können. Die Tiere machten einen ziemlich entspannten Eindruck. Hier halte ich es für durchaus vertretbar, Milchprodukte zu konsumieren.

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  6. Und natürlich ist der primäre Zweck von Milch, von Neugeborenen getrunken zu werden. Aber man darf doch kreativ sein und Dinge einem anderen Nutzen zuführen. Man kann ja auch Samen und Früchte von Pflanzen essen. Keine höhere Macht schreibt uns vor, was wir wie zu nutzen haben. Aber das ist wahrscheinlich einfach einen philosophiosche Frage...

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  7. Aber Du lebst doch nicht in Russland in einem Haus mit einer einzelnen Kuh. Solche Beispiele taugen nicht als gedanklicher Bezugspunkt für Personen, die in einer normalen Großstadt leben.

    Die Realität für die Milch in einem Milchkaffee sieht oft eher so aus:
    Wenn die Druckmaschine für die Registrierung der Registrierplatten in den Ohren der Tiere einmal einen Defekt hat oder der Mensch, der die Registrierung durchführt, einen Fehler macht, der zu einer inkorrekten Herkunftsregistrierung führt, dann werden die gigantischen Tiere weggeschmissen. Der Vorgang der Exekution und das Verarbeiten der massiven Leichen zu Müll sind kein schöner Prozess, das kann nicht als gemaltes Bild auf eine Milchtüte gedruckt werden. Es ist nicht süß, und es ist nicht lustig.

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  8. Ich gebe Dir weiterhin recht, wenn Du den Umgang mit Tieren im Großteil der milchproduzierenden Betriebe in Deutschland (und auch anderswo) anprangerst.

    Wenn ich das Beispiel mit dem russichen Dorf anführe geht es mir um etwas anderes. Dort sind nämlich tatsächlich viele Leute Selbstversorger. Mit Gemüsegarten und zwei eigenen Kühen. Das was man selber nicht vebraucht, wird auf dem Markt verkauft. Der Lebensstandard ist natürlich ein anderer als in einer deutschen Großstadt. Ich frage mich halt einfach, ob Du nur die aktuellen Produktionsbedingungen ablehnst oder generell gegen den Konsum von tierischen Produkten bist. Und zwar unabhängig von den Rahmenbedingungen. Da es auf der Welt durchaus Orte gibt an denen Kühe ohne Hormonspritze und elektronisches Melkgerät einfach so von Hand gemolken werden und ansonsten unbehelligt auf der Wiese stehen, stellt sich mir diese Frage. Darum reite ich auch so auf dem Aspekt herum, dass nichts für irgendeinen Zweck bestimmt ist. Die Dinge existieren einfach so und was wir damit machen, das bewerten wir nur nach unseren eigenen menschlichen Wertmaßstäben. Es gibt keine Nahrungsmittel, die dafür bestimmt sind, vom Menschen gegessen zu werden. Wenn jemand sagt, etwas sei gegen die Natur, so benutzt er nur einen fiktiven Begriff von "Natur". Was ist denn schon natürlich? Der Zustand in dem wir uns vor 100 000 Jahren befunden haben? Ist Ackerbau natürlich? Oder das Benutzen von Werkzeugen, das Bauen von Häusern oder das Tragen von Kleidung? Es gibt einfach keinen natürlichen Zustand, er ist bloß ein Gedankenkonstrukt.
    Ich hoffe, Du versteht ungefähr was ich meine...

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  9. Rubo du bist ja krass.
    Kannst dein Krempel nach Berlin schicken. Wenn du noch ne halbe Haxe bei dir findest: die nehm ich auch ;-)

    Viel Erfolg mit deinem Blog!

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    1. Ich komme lieber mal wieder persönlich zu Dir nach Berlin, um z.B. in den größten veganen Supermarkt Deutschlands zu gehen.
      Und um es dann mit Dir mal wieder so richtig krachen zu lassen.
      Grüßle aus München

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  10. Benni M.:
    Du hast Recht. Lebensmittel sind nicht nur zum menschlichen Verzehr prädestiniert. Aber Kuhmilch schon!
    Bei einer russischen Familie, die auf einem Grundstück am Land lebt und eine Kuh hat, würde ich bestimmt nicht weinend ausrasten und die Leute beschimpfen, wenn ich sehe, dass sie Milch von der Kuh trinken. Trotzdem ist die Milch der Kuh für ihr Kind. Und die Milch, die diese hypothetische Familie trinkt, kann das Junge nicht trinken. Was geben sie dann dem jungen Kalb stattdessen? Was soll das?

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  11. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber meines Wissens nach sind die Tiere doch so gezüchtet, dass sie mehr Milch geben als fürs Kalb nötig wäre. Das Kalb wird schon seine Milch bekommen. Und aus dem Rest macht man dann halt Käse oder Shampoo...

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  12. Worum soll es Dir denn nun gehen?
    Du hast vorhin noch von einer russischen Bauernfamilie in der Pampa gesprochen, die eine einzelne Kuh in einem Verschlag stehen hat. Und nun geht es um eine gezüchtete Hochleistungskuh. Diese zwei Bilder unterscheiden sich meiner Meinung nach.
    Und wie produziert diese Bauernfamilie in ihrer Hütte Shampoo aus der überflüssigen Milch dieser einen Kuh?
    Mir wird es an dieser Stelle zu verquer. Die Diskussion über den russischen Bauern fand ich ohnehin nicht sonderlich zielführend für uns. Jetzt wird alles irgendwie vermischt, und so kommen wir nirgends hin.

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  13. Ja, die Diskussion verläuft gerade etwas im Sand. Eigentlich wollte ich nur wissen, ob Dein Veganismus mit der Fleisch - und Milchproduktion in den Industriestaaten zu tun hat oder ob Du den Konsum von tierischen Produkten auch abseits dieser Umstände ablehnst. Daher das Beispiel mit dem russichen Kleinbauern.
    Und das mit dem Shampoo sollte ein Witz sein. Naja...

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  14. Achso. Hätten wir uns persönlich unterhalten, hätte ichs durch die Betonung wahrscheinlich gecheckt. So habe ich den Witz versehentlich falsch aufgefasst, sorry.

    Ich bin nur aus ethischen Gründen Veganer geworden.
    Mittlerweile habe ich mir aber auch darüber hinaus Gedanken gemacht, was ich überhaupt mit Milch soll. Und wie Du schon in meinem Post über das Duschgel gelesen hast, finde ich Milch mittlerweile keine besonders erstrebenswerte Flüssigkeit mehr.
    Auf dem Grundstück unseres russischen Kuhbesitzers, der seine Kuh gelegentlich per Hand melkt, sind dann wohl nicht einmal Eiter oder Blut enthalten; trotzdem würde ich diese in Theorie für alle beteiligten harmlose Fantasiemilch nicht trinken wollen. Ich kann auch ein Glas Wasser trinken und etwas leckeres essen. In meinem Kopf ist die Eigenartigkeit von Kuhmilch wieder mit der von anderer Milch gleich gesetzt - Milch von Walen, Giraffen, Schweinen: das geht mich nichts an.

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  15. Lieber DerLernendeVeganer (oder darf ich Dich Rubo oder anders nennen, D... ist mir zu lang),

    leider bin ich fast auf dem Weg zum Veggie-Stammtisch, deswegen im Moment nur: Ich bin begeistert, dass es Dich und Dein Blog gibt! Und sehr gerne werdet Ihr schnellstmöglich in veggie-blogger-network integriert!

    Außerdem würde ich Dir gerne eine Autorenberechtigung (bzw. die Einladung dazu) für vbn schicken, damit Du dort posten kannst, wenn Du magst.

    Viele vegane Grüße, PD

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  16. Das klingt prima!

    Ich hoffe, Du hattest einen schönen Stammtisch. Mit Gleichgesinnten zu essen ist schon eine prima Sache.

    Liebe Grüße zurück und bis dann,

    Ruben

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  17. "Kuhmilch für Kühe, Giraffenmilch für Giraffen, Walmilch für Wale und Menschenmilch für Menschen."

    Und Sojamilch für Veganer. Damit sie groß und stark werden :-)

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